GPBB

Glycogenphosphorylase Isoenzym BB (GPBB) ist ein Enzym, welches sowohl im menschlichen Herzen als auch im Gehirn vorkommt. In niedriger Konzentration ist es ebenfalls im Verdauungsapparat, der Blase, der Aorta, der Leber und im Hoden sowie im Fettgewebe und in den Skelettmuskeln vorhanden.

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Freisetzung der GPBB durch Ischämie

GPBB als biochemischer Marker

Bei einem Herzinfarkt wird die Blutversorgung der Muskelzellen unterbrochen. Durch die Zellschädigung bzw. den daraus resultierenden Zelltod, wird Glycogenphosphorylase aus der Zelle in den Blutkreislauf freigesetzt. GPBB gelangt immer bei einer myokardialen Ischämie, also einer Sauerstoffunterversorgung des Herzens, in die Blutbahn. Da GPBB spezifisch für die Herzmuskelzelle ist, lässt es sich bereits nach 1-3 Stunden nach der Zellschädigung im Blut messen und gibt durch seine hohe Herzspezifität schnell Aufschluss über den Grad der Schädigung.

GPBB ist somit ein sehr früher Marker. Andere bisher eingesetzte biochemische Marker, wie z.B. Troponin T und I, sind zwar ebenfalls herzspezifisch, jedoch nicht so früh nachweisbar. Sie messen einen erhöhten Wert des jeweiligen Enzyms erst nach 3-6 Stunden ab Schmerzbeginn.
Zwar kommt GPBB auch in Hirnzellen vor, doch ist es unwahrscheinlich, dass das gemessene GPBB aus dem Hirn stammt und nicht aus dem Herzen, da Hirnbestandteile aufgrund der „Blut-Hirn-Schranke“ sehr selten und nur bei schweren Hirnverletzungen in die Blutbahn gelangen.

Der Nachweis von GPBB hat folgenden Nutzen:

  • schnelle Erkennung und Verlaufsbeobachtung eines Herzinfarkts
  • eindeutige Diagnose bei: Herzinfarkten, akutem Myokardinfarkt  sowie instabiler Angina Pectoris
  • Überwachung von herzoperierten Patienten
  • Zustandskontrolle während und nach der Operation am offenen Herzen

Andere Herzmarker, wie FABP (35 min nach Infarktbeginn) und Myoglobin (2-4h nach Infarktbeginn) sind zwar relativ früh  messbar, weisen aber erhebliche Probleme der Spezifität auf. So kommt Myoglobin auch in der Skelettmuskulatur vor. Daher lassen sich erhöhte Werte bei Sportlern oder auch bei einem akuten Nierenversagen nachweisen, ohne dass eine Herzschädigung vorliegt. Troponin T hingegen ist zwar herzspezifisch, lässt sich jedoch erst 3- 6 Stunden nach den ersten Symptomen im Blut nachweisen.

GPBB vereint somit die Vorteile der etablierten Herzmarker, indem es früh und herzspezifisch ist. Gerade im Falle des Akuten Koronarsyndroms ist eine schnelle und genaue Diagnose unbedingt notwendig. So kann ein Bluttest auf GPBB Basis bereits im Notfallwagen oder am Bett des Patienten eingesetzt werden und dadurch Leben retten.

GPBB wurde in klinischen Studien mit anderen, zum Teil lang etablierten Infarktmarkern (CK, CK-MB Masse, Myoglobin, kardiales Troponin T), verglichen. Dabei wurde innerhalb der ersten vier Stunden nach Schmerzbeginn die höchste Sensitivität in der Diagnose des akuten Herzinfarktes bei GPBB beobachtet.

Bei Herzinfarktpatienten kann ein Anstieg des GPBB Werts innerhalb von 1-3 Stunden festgestellt werden. Jedoch lässt sich GPBB nicht nur bei einem akuten Myokardinfarkt nachweisen, sondern auch bei einer instabilen Angina Pectoris, also einer kritischen Mangeldurchblutung. So kann auch Patienten mit einem Mikroinfarkt ohne eindeutige Symptomatik geholfen werden.

Auch bei der Überwachung von herzoperierten Patienten während der ersten 12- 18 Stunden nach der Operation ist GPBB sehr hilfreich. Während und nach der Operation am offenen Herzen, unter Verwendung einer Herz- Lungen Maschine, leiden die Patienten nicht selten unter weiteren Infarkten bzw. dem Untergang von Herzmuskelzellen.
Der Zustand kann mittels GPBB kontrolliert werden. (SY)